Ursachen für Brände in Lagern

Überdurchschnittlich viele Brandstiftungen

Blick durch Verkaufsraum auf ein zerstörtes Lager
Blick durch Verkaufsraum auf ein zerstörtes Lager

In Lagern gibt es in der Regel hohe Brandlasten. Bricht dort ein Feuer aus, so wird häufig das gesamte Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Im Sinne der Schadenprävention lohnt sich daher ein differenzierter Blick auf typische Brandursachen in in diesem Bereich.

Die Ursachenstatistiken des IFS zeigen hier eine signifikante Auffälligkeit (Bild 2): Ein Drittel aller Brände in Lagern ist auf Brandstiftung zurückzuführen. Dieser Wert liegt um das Dreifache höher als in der Gesamtstatistik. Elektrizität ist nach IFS-Erkenntnissen allgemein die bei weitem häufigste Brandursache. In Lagerbereichen ist sie hingegen kaum zu finden, da dort relativ wenige elektrische Verbraucher vorhanden sind. Eine weitere für Lager charakteristische Problematik ist die Selbstentzündung von Lagergut, insbesondere von Recyclingmaterial und Heu.
Da Lager im privaten Bereich kaum anzutreffen sind, werden im Folgenden typische Brandursachen in Lagern aus dem Bereich Landwirtschaft sowie Industrie und Gewerbe zusammengefasst und entsprechende Präventionsmaßnahmen abgeleitet.

Ermittelte Brandursachen in Lagern im Vergleich zur Gesamtstatistik: Brandstiftung und Selbstentzündung (rote Markierung) haben einen überdurchschnittlich hohen Anteil
Ermittelte Brandursachen in Lagern im Vergleich zur Gesamtstatistik: Brandstiftung und Selbstentzündung (rote Markierung) haben einen überdurchschnittlich hohen Anteil

Brandstiftung und Heuselbstentzündung (Landwirtschaft)

Bei einem Drittel aller Lagerbrände in der Landwirtschaft handelt es sich um Brandstiftungen in Heu- und Strohlagern. Meist sind die Scheunen einfach zugänglich und liegen etwas abseits. Durch die hohen Brandlasten führt die Brandstiftung häufig zum Totalschaden. Die VdS Richtlinie 3453 Brandschutz im landwirtschaftlichen Betrieb nennt Maßnahmen zur Verminderung dieses erheblichen Risikos, zum Beispiel die Installation einer automatischen Beleuchtung (Bewegungsmelder) oder eine Grundstücksumzäunung.

Charakteristische Spuren mikrobiologischer Aktivität die zur Heuselbstentzündung führen kann.
Charakteristische Spuren mikrobiologischer Aktivität die zur Heuselbstentzündung führen kann.

In der Landwirtschaft stellt das Lagergut nicht nur eine erhebliche Brandlast dar, sondern kann auch selbst zur Brandursache werden. Wird Heu zu feucht eingebracht, können mikrobielle Prozesse zu einer starken Wärmeentwicklung und letztendlich zur Selbstentzündung führen (Bild 3).

Nach der Ernte muss daher über einen Zeitraum von mehreren Wochen die Temperatur im Heu regelmäßig kontrolliert werden. Wird ein Temperaturanstieg festgestellt, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Erst kürzlich berichteten wir von einem Fall, bei dem der Landwirt auf diese vorbeugende Temperaturmessung verzichtete. Es kam zum Brandausbruch, in dessen Folge die Lagerhalle und die darauf installierte Photovoltaikanlage zerstört wurden.

Selbstentzündung von Sekundärrohstoffen

Selbstentzündung ist nicht nur ein Thema in der Landwirtschaft. Vor allem bei Bränden in Recyclingbetrieben haben Gutachter des IFS in den vergangenen Jahren immer wieder Selbstentzündungen von Kunststoffgemischen als Brandursache ermittelt. Wie in einem Beitrag im Schadenprisma beschrieben, sind dabei nicht die Kunststoffe selbst, sondern anhaftende organische Verschmutzungen, wie beispielsweise Lebensmittelreste, Öle und Fette für die Selbstentzündung verantwortlich. Die wärmeisolierenden Eigenschaften und die gute Brennbarkeit von Kunststoffen begünstigen den Selbstentzündungsprozess. Die VdS-Richtlinie 2513 ist eine Empfehlung der Sachversicherer und beschreibt einige Maßnahmen zum vorbeugenden Brandschutz bei der Lagerung von Sekundärrohstoffen aus Kunststoff.

Heterogenes Lagergut in einem Recyclingbetrieb.
Heterogenes Lagergut in einem Recyclingbetrieb.

Eine vorbeugende Maßnahme gegen Selbstentzündung wird hier jedoch nicht empfohlen. Basierend auf der Erfahrung des IFS könnte eine routinemäßige Temperaturmessung mit Sonden helfen, Brände in Recyclingbetrieben vorzubeugen. Darüber hinausführende detailliertere Informationen zum Thema Brandschutz in Recyclingbetrieben können Sie in einem Beitrag im Schadensprisma aus dem Jahr 2013 finden.

Einzelhandel – Gelegenheit macht Brände

Die Auswertung der Schadensdatenbank ergibt auch in puncto Lagerbränden im Einzelhandel aufschlussreiche Ergebnisse: Fast 60% aller Brandgeschehen in Lagern des Einzelhandels sind auf Brandstiftung zurückzuführen. Für die Gesamtzahl aller vom IFS dokumentierten Lagerbrände wurde hingegen nur in 37% aller Fälle Brandstiftung als Ursache ermittelt. Es stellt sich also die Frage, auf welche Maßnahmen im Einzelhandel im Sinne einer Schadensprävention verstärkt hingewiesen werden sollte.

Brandentstehung auf einer Laderampe
Brandentstehung auf einer Laderampe
Brandversuch – Entzündung einer Kunststoffpalette
Brandversuch – Entzündung einer Kunststoffpalette

Frei zugängliche Laderampen und unverschlossene Außenlager (Bild 5) werden bei der Brandursachenermittlung immer wieder als Entstehungsort eines Feuers identifiziert. Meist wird dort gelagertes brennbares Material – zum Beispiel Kartonagen, Paletten oder Verpackungsmaterial – von Dritten angezündet. Brandbeschleuniger sind wegen der guten Brennbarkeit dieser Materialien in der Regel nicht nötigt – ein herkömmliches Feuerzeug genügt (Bild 6).

Die Kombination von einfacher Zugänglichkeit und dem Vorhandensein von gut brennbaren Materialien begünstigt Brandstiftung vor allem im Bereich des Einzelhandels. Im Großhandel und der Industrie fällt zwar auch Verpackungsmaterial an, meist sind die Grundstücke aber umzäunt und es finden Zutrittskontrollen statt. Dies scheint für den Einzelhandel allerdings nicht praktikabel. Das IFS empfiehlt folgende Maßnahmen:
1) nach Arbeitsschluss keine brennbaren Materialien an den Laderampen lagern;
2) offene und zugängliche Container für Papier/Kartonagen meiden – zum Beispiel durch den Einsatz von Abfallpressen;
3) Außenlager verschließbar gestalten.

Zusammenfassend sollte ein stimmiges Brandschutzkonzept immer auch die Lager, gegebenenfalls auch Laderampen und Außenlager, und vor allem die Besonderheiten des Lagerguts (z.B. Neigung zur Selbstentzündung) berücksichtigen. Weiterführende Empfehlungen zum Brandschutz in Lagern können außerdem der VdS Richtline 2199 (link) entnommen werden.

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