Überhitzungen an Solarthermieanlagen

Nachdem die Solarmodule zurückgebaut wurden, sind die Brandzehrungen oberhalb der mittleren Dachfenster zu erkennen.
Nachdem die Solarmodule zurückgebaut wurden, sind die Brandzehrungen oberhalb der mittleren Dachfenster zu erkennen.

Solarthermieanlagen dienen zur Erwärmung von Trinkwasser und oft auch zur Unterstützung der Heizung. Obwohl sie – im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen – keinen Strom erzeugen, besteht bei bestimmten Anlagentypen ein Brandrisiko, wie das IFS mittlerweile bei der Untersuchung mehrerer Schadenfälle festgestellt hat.

Betroffen sind Indach-Anlagen mit Holzrahmenmodulen. Bei dieser Bauart werden die Solarkollektoren in die Dachfläche eingebaut. Ihre Holzrahmen haben direkten Kontakt zu Metallteilen der Anlage, die sehr heiß werden können.

Im hier beschriebenen Schadenfall war ein Wohnhaus in Süddeutschland betroffen. An einem nahezu wolkenlosen Sommertag entdeckte eine Nachbarin Rauch auf dem Dach des Gebäudes. Zu diesem Zeitpunkt war nur einer der Bewohner zu Hause.

Die Brandzehrungen gehen trichterförmig vom Bereich des Dachfensters aus.
Die Brandzehrungen gehen trichterförmig vom Bereich des Dachfensters aus.

Das entstandene Feuer konnte von der Feuerwehr auf einen Teil des Daches eingegrenzt werden. Der IFS-Gutachter, der die Schadenstelle später untersuchte, lokalisierte den Brandausbruch an einem Dachbalken oberhalb der Dachfenster. Metallteile der dort installierten Solarkollektoren hatten das Rahmenholz und in der Folge den Dachstuhl entzündet.
Die räumlich tiefste Brandzehrung befindet sich an einem Balken direkt oberhalb des Dachfensters.
Die räumlich tiefste Brandzehrung befindet sich an einem Balken direkt oberhalb des Dachfensters.

Zu einer Überhitzung wie in diesem Fall kann es während einer Stagnation der Solarthermieanlage kommen. Sie entsteht, wenn der Pufferspeicher die maximale Temperatur erreicht hat und kein Warmwasser entnommen bzw. nicht geheizt wird. Eine Anlage mit einer Kollektorfläche von 50 Quadratmetern und einem Pufferspeicher von 2500 l, wie die des Schadenobjektes, erreicht diesen Betriebszustand an sonnigen Sommertagen regelmäßig.

Die maximale Temperatur der Kollektoren war vom Hersteller mit 184 °C angegeben. Die Zündtemperatur von Holz kann durch thermische Aufbereitung jedoch auf 120 °C absinken. Durch den Kontakt der heißen Metallteile zum Holzrahmen der Kollektoren bestand also ein konstruktionsbedingtes Brandrisiko.

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