Überhitzung an einer Solarthermieanlage

Die am tiefsten herabreichenden Brandzehrungen an der Dachkonstruktion
Die am tiefsten herabreichenden Brandzehrungen an der Dachkonstruktion

An einem warmen Sommernachmittag sahen Nachbarn Rauch vom Dach eines Einfamilienhauses aufsteigen. Als sie die Eigentümer alarmierten, konnten diese das Dachgeschoss wegen des starken Brandrauchs bereits nicht mehr betreten. Glücklicherweise gelang es der Feuerwehr, die Flammen rasch unter Kontrolle zu bringen. Für den IFS-Gutachter, der später die Schadenursache ermitteln sollte, hinterließen sie ein deutliches Spurenbild.

Das Feuer war klar erkennbar in der Dachkonstruktion ausgebrochen, denn im Gebäude gab es kaum Schäden. An der Stelle, an der die Brandzehrungen an der Dachkonstruktion räumlich am tiefsten herabreichten, gab es keine elektrotechnischen Installationen, die durch einen Defekt das Feuer hätten auslösen können.

Neben dem Dachflächenfenster sind die Solarkollektoren erkennbar.
Neben dem Dachflächenfenster sind die Solarkollektoren erkennbar.

Durch die zum Teil verbrannten Holzbauteile des Dachaufbaus waren von innen die Kollektoren der Solarthermieanlage zu sehen, die sich auf der südlichen Dachfläche des Hauses befanden. Es handelte sich um Indachmodule, mit denen Wärmeenergie für die Heizungsanlage und die Warmwasserbereitung gesammelt wurde.

Im Keller des Hauses stand ein 1000-Liter-Pufferspeicher, an den diese Energie abgegeben wurde. Anhand der aus der Regelung ausgelesenen Messprotokolle konnte der Gutachter jedoch erkennen, dass es in den Tagen vor dem Schaden Probleme gegeben hatte: Die Wärme wurde nicht in den Speicher geleitet; die Anlage stand still.

Durchbrennung der Nut- und Federbretter im Dachgeschoss
Durchbrennung der Nut- und Federbretter im Dachgeschoss

Während solcher Stillstandszeiten steigt die Temperatur an den Solarmodulen. Laut Hersteller konnten bis zu 185 °C auftreten. Der Gutachter sah sich einen unbeschädigten Kollektor an und stellte fest, dass die Absorberbleche direkt mit dem Holzrahmen verschraubt waren. Holz hat eine Zündtemperatur von 220 °C. Doch dieser Wert sinkt, wenn das Holz über längere Zeiträume starker Wärme ausgesetzt ist. Die Zündtemperatur kann durch diese thermische Aufbereitung auf bis zu 120 °C fallen.

Als die Anlage am Schadentag stillstand, wurden die Absorberbleche heiß genug, um den Holzrahmen zu entzünden. Zu diesem Brandrisiko, das bei bestimmten Bauarten von Solarthermieanlagen auftreten kann, finden Sie einen Beitrag im IFS-Report 2/2013 auf Seite 2.

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