Spurensuche im Wohnzimmer

Der Brandbereich links der Schrankwand ist deutlich zu erkennen.
Der Brandbereich links der Schrankwand ist deutlich zu erkennen.

So schön Kerzenlicht auch ist, so gefährlich kann es werden, wenn man am Ende nicht daran denkt, es wieder zu löschen. Fälle, in denen unbeaufsichtigt brennende Kerzen zu einem Wohnungsbrand führten, untersucht das IFS immer wieder und das ganze Jahr hindurch. Häufig geben die Betroffenen an, die Kerzen gelöscht zu haben. Doch das Spurenbild verrät in der Regel, ob dies tatsächlich geschehen ist.

Im hier beschriebenen Fall hatte ein Ehepaar es sich im Wohnzimmer bei Kerzenlicht mit ein paar Gästen gemütlich gemacht. Als der Besuch gegen 18 Uhr ging, wurden die Kerzen den Angaben zufolge gelöscht. Doch gegen ein Uhr nachts – längst war niemand mehr im Wohnzimmer – bemerkte das Paar ungewöhnliche Geräusche. Es brannte.

Der linke, obere Teil und die Rückwand des aufgehängten HiFi-Lautsprechers sind gut erhalten.
Der linke, obere Teil und die Rückwand des aufgehängten HiFi-Lautsprechers sind gut erhalten.

Die Feuerwehr konnte den Brand im Wohnzimmer rasch und mit relativ wenig Löschwasser beenden. Ein Brandursachenermittler des IFS untersuchte später die Schadenstelle: Direkte Schäden gab es ausschließlich links einer Schrankwand. Hier hatte ein Tisch gestanden, und auf diesem hatte eine Holzscheibe mit darauf befestigten Kerzen gelegen – die Kerzen, die am Abend zuvor gebrannt hatten. Doch diese Tatsachen allein waren noch kein Beweis für die Brandursache. Vor allem nicht, weil das Ehepaar angab, die Kerzen viele Stunden vor der Brandentstehung gelöscht zu haben. Der Gutachter musste also prüfen, ob eventuell ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst haben konnte.
Markante Brandzehrungen an der Holzscheibe; im Holz befinden sich Drahtstifte, mit denen Kerzen auf dem Holz befestigt worden waren.
Markante Brandzehrungen an der Holzscheibe; im Holz befinden sich Drahtstifte, mit denen Kerzen auf dem Holz befestigt worden waren.

Die einzigen elektrotechnischen Installationen im Brandbereich waren ein Lautsprecher, der über dem Tisch an der Wand gehangen hatte, und eine Mehrfachsteckdosenleiste. Die Komponenten des Lautsprechers waren noch so gut erhalten, dass der Gutachter einen Brandausbruch in diesem Bereich ausschließen konnte. Auch an der Steckdosenleiste, die er im Labor untersuchte, gab es keine Hinweise auf einen brandauslösenden Defekt. Der Schalter der Steckdosenleiste befand sich zum Schadenzeitpunkt im Schaltzustand „aus“, so dass die in die Steckdosenleiste eingesteckten Geräte von der Netzspannung getrennt waren.

Vor Ort fand der Gutachter im Brandschutt die Holzscheibe, in der noch Drähte für die Befestigung von Kerzen steckten. Die Brandzehrungen am Holz belegten, dass das Feuer in diesem Bereich entstanden war. Zweifellos hatten sich die Bewohner geirrt.

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