Sicherung getauscht, aber Problem ignoriert

Im Treppenhaus hat es im Bereich dieser beiden Unterputz-Elektroverteilungen gebrannt.
Im Treppenhaus hat es im Bereich dieser beiden Unterputz-Elektroverteilungen gebrannt.

Als er am Morgen ins Badezimmer kommt, bemerkt ein junger Mann, dass das Licht nicht funktioniert. Alle Leitungsschutzschalter sind eingeschaltet, wie er beim Blick in die Elektro-Unterverteilung in der Wohnung feststellt. Doch einige Steckdosen versagen ebenfalls den Dienst.

Von dem Problem unterrichtet, beauftragt der Hauseigentümer einen Elektriker. Noch am Vormittag erscheint der Fachmann. Je eine Schraubsicherung habe in der Unterverteilung in der Wohnung und in der Zähleranlage im Erdgeschoss ausgelöst, gibt er später an. In der Wohnung tauscht er eine ausgelöste 25-A-Sicherung gegen eine neue 25-A-Sicherung und im Erdgeschoss eine ausgelöste 35-A-Vorsicherung gegen eine 50-A-Sicherung.

Die Nahaufnahme zeigt die linke Unterverteilung, von der das Feuer ausging.
Die Nahaufnahme zeigt die linke Unterverteilung, von der das Feuer ausging.

Nachdem er den elektrischen Durchlauferhitzer und die Steckdosen in der Wohnung überprüft und keinen Fehler gefunden hat, beendet der Elektriker seinen Einsatz. Am nächsten Morgen, nachdem beide Mieter der Wohnung geduscht haben, fällt ein Feuerschein durch die Glasfüllung der Tür vom Treppenhaus in den Wohnungsflur.

Als die Feuerwehr gerufen wird, ist einer der Feuerwehrleute durch einen glücklichen Zufall bereits in der Nähe des Hauses. Mit einem Feuerlöscher löscht er die Flammen im Bereich von zwei Elektro-Unterverteilungen, die sich im Treppenhaus vor der Wohnung befinden.

An den Einbauten der linken Elektroverteilung findet der Gutachter im Labor jede Menge Schmelzspuren, die er hier mit Pfeilen markiert hat.
An den Einbauten der linken Elektroverteilung findet der Gutachter im Labor jede Menge Schmelzspuren, die er hier mit Pfeilen markiert hat.

Das IFS wurde mit der Ermittlung der Schadenursache beauftragt. Die Brandspuren im Treppenhaus verrieten dem Gutachter, dass das Feuer in der linken der beiden Unterverteilungen ausgebrochen war. An deren Einbauten fand er im Elektrolabor diverse Schmelzspuren.

Bereits am Morgen vor dem Brandausbruch hatte es in dieser Unterverteilung mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kurzschluss gegeben, der zu den Sicherungsauslösungen und damit zum Ausfall des Lichts und der Steckdosen geführt hatte. Doch diesen Kurzschluss hatte der Elektriker nicht bemerkt, da er von beiden Elektro-Unterverteilungen im Treppenhaus nichts wusste. Durch die Benutzung des Durchlauferhitzers beim Duschen kam es am Schadentag zu einem hohen Stromfluss. Das ist normalerweise kein Problem. Doch wegen des Vorschadens und des erhöhten Nennstromes durch den Sicherungswechsel von 35 auf 50 A kam es zum Brandausbruch.

Der Elektriker hatte nicht nur die Ursache der gemeldeten Probleme nicht gefunden. Er hatte obendrein durch seine „Reparatur“ den Eintritt des Schadens begünstigt.

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