Schadenursache liegt im Trinkwasser

Die Stützhülse am oberen Fitting ist umlaufend abgebrochen.
Die Stützhülse am oberen Fitting ist umlaufend abgebrochen.

In einem Einfamilienhaus kam es zu einem erheblichen Leitungswasserschaden. An gleich drei Verbindungsstücken von Rohrleitungen im Fußbodenaufbau wurden Leckagen gefunden. Waren die verwendeten Bauteile der Leitungen fehlerhaft? Eine Laboruntersuchung sollte diese Frage beantworten. Die drei betroffenen T-Fittings wurden ins IFS geschickt.

An allen Asservaten war jeweils eine Stützhülse aus Messing umlaufend abgebrochen. Die Bruchflächen waren bereits stark gealtert, wie braune und grünweißliche Belege zeigten. Nachdem der Gutachter sie mit Zitronensäure im Ultraschallbad gereinigt hatte, war eine rötliche Verfärbung der Flächen zu erkennen, die im Einbauzustand mit Wasser in Berührung gekommen waren.

Im gekennzeichneten Bereich ist das Material stark entzinkt.
Im gekennzeichneten Bereich ist das Material stark entzinkt.

Eine solche Verfärbung von Messing ist ein klares Zeichen für selektive Korrosion, auch Entzinkung genannt. Bei der Untersuchung des Materials unter dem Licht- und schließlich unter dem Rasterelektronenmikroskop (REM, siehe Bild 3) wurde das Ausmaß der Entzinkung deutlich: An der Oberfläche war das Material stellenweise start gealtert. Die Spuren der selektiven Korrosion reichten bis zu zwei Millimeter tief. In diesem Bereich zeigte das Messing an den interkristallinen Grenzen eine „schwammartige“ Struktur.
Zum Abbruch der Stützhülsen hatte auch Spannungsrisskorrosion beigetragen. Doch diese war nur wegen der Vorschädigung des Messings aufgetreten.
REM-Aufnahme: An der Oberfläche (1) ist das Material stark entzinkt, während in der Tiefe kaum (2) oder keine (3) Entzinkung vorhanden ist.
REM-Aufnahme: An der Oberfläche (1) ist das Material stark entzinkt, während in der Tiefe kaum (2) oder keine (3) Entzinkung vorhanden ist.

Der Gutachter prüfte den Werkstoff: Es gab keine Hinweise auf Materialfehler. Zur Entzinkung konnte es nur durch die Inhaltsstoffe des Trinkwassers gekommen sein, mit dem die Fittings in Berührung gekommen waren. Eine Wasseranalyse aus dem Schadenobjekt lag nicht vor. Verschiedene Hersteller von messinghaltigen Installationskomponenten hatten allerdings bereits eine auffällige Schadenhäufung in der kleinen Stadt festgestellt, in der auch das hier betroffene Einfamilienhaus stand.
Der Gutachter wies darauf hin, dass in der Installation des Gebäudes vermutlich noch weitere Leckagen oder zumindest bereits geschädigte Abschnitte schlummerten.

Diesen Beitrag weiterempfehlen