Raumaufteilung nach Gasexplosion nicht mehr erkennbar

Im Erdgeschoss wird die Decke gestützt, die Innenwände sind nicht mehr vorhanden. Die Pfeile zeigen, in welche Richtungen sich die Druckwelle ausgebreitet hat.
Im Erdgeschoss wird die Decke gestützt, die Innenwände sind nicht mehr vorhanden. Die Pfeile zeigen, in welche Richtungen sich die Druckwelle ausgebreitet hat.

Glücklicherweise war niemand zu Hause, als es um die Mittagszeit zur Explosion kam. Das Einfamilienhaus selbst wurde allerdings arg in Mitleidenschaft gezogen. Die Außenwände im Erdgeschoss wurden teilweise samt Fenstern und Türen herausgedrückt. Vom Satteldach des Gebäudes hatte die Druckwelle einige Pfannen abgehoben.

Als ein IFS-Gutachter die Schadenstelle besuchte, war die Decke des Erdgeschosses bereits abgestützt. Eine Raumaufteilung war nicht mehr erkennbar, denn die Innenwände fehlten komplett.

Die Explosion war von der EDV-Werkstatt ausgegangen, die sich im Erdgeschoss in einem Anbau des Wohnhauses befand. Am Tag zuvor hatte ein Familienmitglied dort eine 11-kg-Flüssiggasflasche abgestellt, die kurz vorher noch benutzt wurde. Das Ventil sei geschlossen gewesen, als die Flasche ins Haus gebracht wurde, beteuerten die Betroffenen.

Die Gasflasche bei der Dichtheitsprüfung mit einem PID: das Flaschenventil (1), die Sechskantanschlussmutter (2), der Druckminderer (3), die Schlauchbruchsicherung (4) und der Gasschlauch zum Brenner (5)
Die Gasflasche bei der Dichtheitsprüfung mit einem PID: das Flaschenventil (1), die Sechskantanschlussmutter (2), der Druckminderer (3), die Schlauchbruchsicherung (4) und der Gasschlauch zum Brenner (5)

Der Feuerwehrmann, der nach der Explosion die Gasflasche geborgen hatte, sagte hingegen, das Ventil sei noch etwas geöffnet gewesen. Gas war in jedem Fall ausgetreten, wie der Zustand des Hauses in eindrucksvoller Weise belegte, und der Gutachter musste nun feststellen, warum es dazu kommen konnte.

An die Gasflasche war wie folgt beschrieben ein Brenner angeschlossen: Auf das Flaschenventil war eine Sechskant-Anschlussmutter eines Druckminderers aufgeschraubt. Dahinter befand sich eine Schlauchbruchsicherung und schließlich ein Gasschlauch, der zum Brenner führte. Bei der Überprüfung mit einem Photoionisationsdetektor (PID) stellte der Gutachter eine Undichtigkeit an der Anschlussmutter fest.

Die Dichtung in der Sechskantüberwurfmutter besteht aus Kunststoff und zeigt deutliche Gebrauchsspuren.
Die Dichtung in der Sechskantüberwurfmutter besteht aus Kunststoff und zeigt deutliche Gebrauchsspuren.

Darin befand sich eine Kunststoffdichtung, die starke Gebrauchsspuren zeigte. Vor allem aber war diese Anschlussmutter nicht für den Anschluss an eine 11-kg-Flasche geeignet. Sie war für Großflaschen vorgesehen, wie etwa eine 33-kg-Flasche.

Kleine und große Gasflaschen sind mit dem gleichen Gewinde ausgestattet. Aber die Dichtmechanismen unterscheiden sich. Die Anschlussmuttern für 11-kg-Flaschen sind in der Regel als Rändel- oder Flügelmuttern ausgelegt. Sie werden einfach von Hand aufgeschraubt und dichten über eine weiche Gummidichtung an der Gasflasche ab.

Großflaschen hingegen haben Dichtringe aus Kunststoff oder Leichtmetall. Eine Sechskant-Anschlussmutter, wie sie auch in diesem Fall verwendet wurde, wird mit einem Werkzeug festgezogen. Nach dem Anschluss wird die Dichtigkeit der Armatur – zum Beispiel mit einem Leckagespray – geprüft, und nach Abschluss der Arbeiten werden Flasche und Armatur wieder getrennt.

Das Flaschenventil selbst dichtete wie vorgesehen ab, wie eine Prüfung zeigte. Es muss also – entgegen der Aussagen der Geschädigten – vor Schadeneintritt geöffnet gewesen sein. Eine solche Nachlässigkeit hat schon viele hohe Sach- und manchen schweren Personenschaden verursacht. In diesem Fall kam mit der Wahl der falschen Anschlussarmatur ein zweiter Risikofaktor hinzu. Insbesondere bei Gasanschlüssen ist es wichtig, Montagevorgaben und Sicherheitshinweise genau zu beachten.

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