Qualität mangelhaft – Hersteller unbekannt

Das Kombieckventil ist im Bereich des Messing-Ventilkopfstücks am Bediengriff vollständig gebrochen (Pfeile).
Das Kombieckventil ist im Bereich des Messing-Ventilkopfstücks am Bediengriff vollständig gebrochen (Pfeile).

Messing ist für Bauteile in der Trinkwasserinstallation ein üblicher Werkstoff. Es ist allerdings unter bestimmten Voraussetzungen anfällig für Spannungsrisskorrosion. Um Schäden vorzubeugen, ist es daher wichtig, auf die Produktqualität zu achten. Das Kombieckventil, dessen Bruch in diesem Fall zu einem Leitungswasserschaden geführt hat, trug nicht einmal eine Herstellerkennzeichnung.

Die Installation lag zum Schadenzeitpunkt erst drei Monate zurück. Der Lebensgefährte der Versicherungsnehmerin hatte das Ventil in einem Baumarkt gekauft und selbst am Kaltwasserzulauf unter dem Spültisch in der Küche installiert.

Detailaufnahme des freigelegten, gebrochenen Ventilkopfstücks.
Detailaufnahme des freigelegten, gebrochenen Ventilkopfstücks.

Auslöser des Schadens war der Bruch des Ventilkopfstücks aus Messing. Durch eine Laboruntersuchung im IFS sollte die Ursache dafür ermittelt werden. Eine Gutachterin zerlegte das Ventil und untersuchte die Bruchflächen.

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen zeigten transkristalline und interkristalline Strukturen. Diese verformungsarmen Rissstrukturen sind typisch für Spannungsrisskorrosion. Wie sich bei der weiteren Untersuchung zeigte, war die Werkstoffhärte viel zu hoch. Über die Werkstoffhärte können indirekt Rückschlüsse auf im Werkstoff vorhandene Zug- bzw. Eigenspannungen gezogen werden. Überhöhte Eigenspannungen können Spannungsrisskorrosion in Messingbauteilen begünstigen.

Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt transkristalline und interkristalline Bruchstrukturen sowie Hohlräume im Werkstoff.
Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt transkristalline und interkristalline Bruchstrukturen sowie Hohlräume im Werkstoff.

Geschwächt wurde der Ventilkopf außerdem durch zahlreiche mikroskopisch kleine Hohlräume im Werkstoff, die ebenfalls auf den REM-Aufnahmen zu sehen waren. Sie entstehen durch Gas- und Bleieinschlüsse beim Herstellungsprozess. Die Elementanalyse förderte einen weiteren Produktmangel zutage: Neben Kupfer und Zink wies das Messing einen relativ hohen Zinnanteil auf und entsprach damit keiner bekannten Legierung für Sanitärmessing. Es lagen also gleich mehrere Merkmale für einen schadenursächlichen Produktmangel vor.

Das IFS empfiehlt, bei Messingbauteilen auf ein anerkanntes Prüfsiegel zu achten und sie vom Fachmann installieren zu lassen. Ein erfahrener Monteur hätte das Eckventil nicht eingebaut oder zumindest auf das erhöhte Schadenrisiko hingewiesen.

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