Planer vernachlässigten besondere Anforderungen

Das Bild zeigt die betroffene Abwasserleitung. Der durchfeuchtete Fußboden und die unteren  Wandbereiche wurden bereits entfernt.
Das Bild zeigt die betroffene Abwasserleitung. Der durchfeuchtete Fußboden und die unteren Wandbereiche wurden bereits entfernt.

Nach Leitungswasserschäden entsteht neben den Kosten für die Sanierung oft ein erheblicher Aufwand, weil die betroffenen Gebäude oder Gebäudeteile zunächst nicht mehr genutzt werden können. In einem Krankenhaus waren davon mehrere Behandlungsräume betroffen, nachdem eine erst knapp zehn Jahre alte Abwasserleitung undicht wurde.

IFS-Gutachter untersuchten den Schaden und stellten fest, dass Innenkorrosion zu dem Loch in der Rohrwand geführt hatte. Einen Produktfehler an dem gusseisernen Abwasserrohr konnten sie ausschließen.

Nahaufnahme des Wanddurchbruchs; außen sind an dem Rohr keine Korrosionsspuren zu sehen.
Nahaufnahme des Wanddurchbruchs; außen sind an dem Rohr keine Korrosionsspuren zu sehen.

Auf die Schadenursache wies unter anderem dessen Farbe hin: Es handelte sich um ein SML-Rohr, wie es für die gewöhnliche Hausentwässerung verwendet wird. Diese Rohre sind rot. KML-Rohre hingegen sind grau. Durch eine andere Innenbeschichtung sind sie chemikalienbeständig und damit zum Beispiel für aggressive Laborabwässer geeignet. Fachleuten ist die Bedeutung der Rohrfarben bekannt.

Die betroffene Abwasserleitung gehörte zur Sterilisationsanlage der Klinik. Der mögliche pH-Wert der Abwässer konnte daher zwischen 2 und 13, oder auch „sehr sauer“ und „stark alkalisch“ schwanken. Für die gesamte Leitung hätten aus diesem Grund KML-Rohre verwendet werden müssen.

In diesem Teil der Abwasserleitung sind sowohl die roten SML-Rohre als auch die grauen KML-Rohre verbaut.
In diesem Teil der Abwasserleitung sind sowohl die roten SML-Rohre als auch die grauen KML-Rohre verbaut.

In Teilbereichen war dies auch geschehen, nämlich direkt unter der Sterilisationsanlage. Dieser Leitungsabschnitt wurde allerdings von einer anderen Firma erstellt als der betroffene. Eine Erklärung fanden die Gutachter in den Unterlagen. Während die Firma, die die Anlage selbst und die unmittelbar darunter liegenden Rohre installiert hatte, sich der besonderen Anforderungen bewusst war, fehlte diese Information der Firma, die den Auftrag für die Erstellung der Entsorgungsleitung bekommen hatte.

Schon in deren Angebot waren lediglich SML-Rohre aufgeführt. Doch auch im Preisspiegel für die Leitung, der von den Planern erstellt wird, wurde keine Eignung für die aggressiven Laborabwässer erwähnt. Dem Planungsbüro oblag auch die Bauleitung, und einem Protokoll nach hatte ein Mitarbeiter des Büros die Leitung abgenommen.

Die besonderen Anforderungen durch die Laborabwässer wurden vom Planungsbüro nicht an das ausführende Unternehmen weitergeleitet. Möglicherweise waren sie den Planern nicht bewusst.

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