Normprüfung unter Idealbedingungen

Fünf Jahre „Sicherheitszigarette“ in der EU

Wo das Loch im Fußboden zu sehen ist, hat vorher ein Sofa gestanden. Ein Raucher hatte eine Kippe auf dem Polstermöbel verloren.
Wo das Loch im Fußboden zu sehen ist, hat vorher ein Sofa gestanden. Ein Raucher hatte eine Kippe auf dem Polstermöbel verloren.

Das kuriose Schadenbild oben wurde von einer Zigarette verursacht. Sie war auf das Sofa gefallen, was der Raucher nicht bemerkte, bevor er seine Wohnung verließ. Als er zurückkam, fand er einen eher kleinen Brandschaden in seinem Wohnzimmer vor und ein Loch im Fußboden. Ein Glimmbrand war entstanden, der die Holzdielen zerstört hatte, und das Sofa stürzte schließlich ein Stockwerk tiefer.

So glimpflich kommen nicht alle davon, die eine brennende Zigarette aus den Augen verlieren. Dies sei eine der häufigsten Ursachen für Brandschäden mit Todesfolge in Europa, ließ die EU-Kommission verlauten und begegnete der Gefahr mit der sogenannten „LIP-Zigarette“, die vor nunmehr fünf Jahren in der EU eingeführt wurde. Die geringere Neigung zur Entzündung (Lower Ignition Propensity) soll gewährleistet werden durch zwei bis drei Bänder, an denen das Papier der Zigarette dichter ist. Erreicht die Glut ein solches Band, ist die Sauerstoffzufuhr und damit der Verbrennungsprozess reduziert. Die Idee ist, dass eine Zigarette ohne das aktive Ziehen des Rauchers an einem der Bänder erlischt, bevor sie brennbares Material in der Umgebung entzündet.

Brandversuch  mit  Sicherheitszigaretten: Die blauen Streifen markieren die Bänder.
Brandversuch mit Sicherheitszigaretten: Die blauen Streifen markieren die Bänder.

Die Anforderungen an LIP-Zigaretten sind in der EN ISO 12863 festgeschrieben und werden wie folgt geprüft: Die Zigaretten werden entzündet und waagerecht auf mehrere Lagen Filterpapier gelegt. Nicht mehr als 25 % dürfen bei dieser Prüfung bis zum Filter abbrennen. Das IFS startete einen solchen Versuch mit vier Zigaretten – alle erloschen vor dem letzten Band. Als die Gutachter den Untergrund aber um 20° neigten, erloschen nur noch drei, und beim Versuch mit 70° Neigung und einem nicht ebenen Untergrund brannten alle Zigaretten bis zum Filter ab. Der letztgenannte Versuchsaufbau entspricht in etwa der Situation einer Kippe, die in eine Sofaritze fällt.

Zahlen zu den Auswirkungen der LIP-Zigarette liegen dem IFS nicht vor. Sicher ist, dass auch von diesen Produkten eine Brandgefahr ausgeht, mag sie auch kleiner sein. Zigarren, Zigarettenpapier und -hülsen sind übrigens nicht von der Regelung betroffen. Ob EU-Sicherheitszigarette oder Selbstgedrehte – die Verantwortung bleibt beim Raucher.

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