Landwirt hielt Temperaturmessung für unnötig

Über dem Brandschwerpunkt wurden das Hallendach und die darauf montierten Solarmodule zerstört.
Über dem Brandschwerpunkt wurden das Hallendach und die darauf montierten Solarmodule zerstört.

Es war genau zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs, als eine Frau Rauch an einer landwirtschaftlichen Halle bemerkte und die Feuerwehr rief. In dem betroffenen Gebäude lagerten Heu- und Strohballen. Über dem Brandbereich wurden die Dacheindeckung aus Faserzementplatten und die darauf montierten Module einer Photovoltaikanlage zerstört. Auch die vier Anhänger, die zum Schadenzeitpunkt in der Halle gestanden hatten, überstanden das Feuer zum Teil nur stark beschädigt, zum Teil gar nicht.
Vier Anhänger standen zum Schadenzeitpunkt in der Halle.
Vier Anhänger standen zum Schadenzeitpunkt in der Halle.

Bei der Untersuchung der Halle fand der beauftragte IFS-Gutachter an den Resten der Photovoltaikanlage keine Hinweise auf einen brandauslösenden Defekt. Die Brandschäden an der Anlage waren im Brandverlauf entstanden. Dafür sprach auch der Zeitpunkt, zu dem das Feuer entdeckt wurde: Bei Sonnenaufgang produzieren Photovoltaikanlagen in der Regel noch keinen nennenswerten Strom.

Auch die Hallenbeleuchtung war unauffällig, und der Gutachter fand keine konkreten Anzeichen für eine Brandstiftung. Hinweise auf die Schadenursache warteten hingegen vor dem Gebäude.

Am Heu des noch erhaltenen Ballens sind dunkle Verfärbungen (Kreis) und Schimmel (Pfeile) zu erkennen.
Am Heu des noch erhaltenen Ballens sind dunkle Verfärbungen (Kreis) und Schimmel (Pfeile) zu erkennen.

Die Feuerwehr hatte die gelagerten Ballen beim Löscheinsatz ins Freie gebracht und das Heu verteilt, um es vollständig löschen zu können. Vor der Halle lag jedoch noch ein intakter Ballen, den der Gutachter untersuchen konnte. Von außen waren an der Oberfläche leichte Anbrennungen und auch Schimmelbefall erkennbar. Als er den Ballen vorsichtig öffnete, war das Heu im Inneren zum Teil so heiß, dass man es mit bloßen Händen nicht berühren konnte.

Eine Probe des Heus untersuchte der Gutachter im Labor. Es war braun verfärbt und roch nach Tabak. Dies sind Merkmale für die Aktivität von thermophilen Mikroorganismen. Dazu kann es kommen, wenn das Heu beim Verpressen nicht vollständig getrocknet ist. Durch mikrobiologische Prozesse wird dann im Inneren des Ballens Wärme produziert, die nicht entweichen kann. Die Temperatur steigt immer weiter an, bis es zum Brandausbruch durch eine Heuselbstentzündung kommt.

Um solche Schäden zu verhindern, muss die Temperatur in gelagerten Heuballen regelmäßig mit einer Sonde gemessen werden. Diese brandverhütende Maßnahme war auch im Versicherungsvertrag des betroffenen Landwirts festgehalten, doch der Mann hielt die Messungen nach eigener Aussage für unnötig.

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