Kirchenorgel gerät plötzlich in Brand

Der verbrannte Spieltisch der Orgel
Der verbrannte Spieltisch der Orgel

Etwa eine Viertelstunde hatte der Leiter eines Kirchenchores auf der Orgel einer Pfarrkirche Musikstücke geprobt, als sich auf den Registertasten des Instrumentes plötzlich Flammen bildeten. Das Feuer breitete sich augenblicklich über die Registertasten und auf die darunter liegenden Manuale aus. Bevor der Brand mit einem Pulverlöscher beendet werden konnte, war bereits ein erheblicher Schaden am Spieltisch der Orgel entstanden.

Erst wenige Stunden zuvor hatte ein Elektroinstallateur an der Orgel einen neuen Wärmestrahler montiert, weil der alte nicht mehr funktionierte. Das Heizgerät hatte sich über dem Spieltisch an der Unterseite eines Notenständers befunden.

Mit einem Vergleichs-Wärmestrahler wurde die Situation am Schadentag rekonstruiert.
Mit einem Vergleichs-Wärmestrahler wurde die Situation am Schadentag rekonstruiert.

Im Rahmen der Untersuchung der Schadenstelle rekonstruierte der IFS-Gutachter diese Situation, indem er einen baugleichen Wärmestrahler an gleicher Stelle installierte.

Bei der ursprünglichen Montage am Vormittag des Schadentages hatte der Organist der Kirche den Elektroinstallateur darauf hingewiesen, dass die Wärmestrahlung auf die Orgelmanuale zu stark war. Daraufhin hatte letzterer einen der beiden Quarzstäbe des Heizgerätes abgeklemmt.

Doch die Hitze des auf die Registertasten und Manuale ausgerichteten Strahlers blieb offenbar zu stark. Als der Chorleiter am Nachmittag den Strahler einschaltete und an der Orgel probte, überhitzte die Beschichtung der Tasten und geriet in Brand. Der Gutachter konnte diesen Schadenverlauf durch Brandversuche im IFS nachvollziehen:

Der Abstand zwischen dem Quarzstab und den Registertasten wird gemessen.
Der Abstand zwischen dem Quarzstab und den Registertasten wird gemessen.

Von einem Orgelbauer erhielt er Materialproben der verwendeten Tastenbeschichtungen aus Zelluloid. Das Zelluloid setzte er der Strahlungswärme des Vergleichsgerätes aus, bei dem er – wie zuvor der Installateur – ebenfalls einen der beiden Quarzstäbe abgeklemmt hatte. Der Abstand vom Heizstab zur Materialprobe entsprach dem Abstand vom Heizstab zu den Registertasten im Brandschwerpunkt, den der Gutachter an der Orgel gemessen hatte. Bei den Versuchen geriet das Zelluloid in etwa einer Viertelstunde schlagartig in Brand. Zelluloid besteht zum großen Teil aus Zellulosenitrat, das unter anderem als Schießpulver verwendet wurde. Nach der Zündung brennt Zelluloid schlagartig ab.

Laut Montage- und Gebrauchsanleitung des Wärmestrahlers war dieser ausschließlich für die Verwendung als Terrassen-, Wand- und Deckenstrahler vorgesehen. Am Notenständer unmittelbar über den Orgelmanualen hätte er nicht installiert werden dürfen, da er für diesen Einsatz weder geeignet noch zugelassen war. Der Abstand des leistungsstarken Heizstabes zu den Orgeltasten war viel zu gering.

Außer den Herstellervorgaben hatte der Installateur auch die Verordnung zur Verhütung von Bränden (VVB) verletzt. Diese fordert in §8 Abs. 2 Elektrowärmegeräte so aufzustellen, dass brennbare Gegenstände nicht entzündet werden können.

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