Feuer im Serverraum – ohne technische Ursache

Blick in den ausgebrannten Serverraum: Rechts ist ein Brandschwerpunkt an einem Bodenbalken zu erkennen.
Blick in den ausgebrannten Serverraum: Rechts ist ein Brandschwerpunkt an einem Bodenbalken zu erkennen.

Im Vorbeigehen bemerkt ein Lehrer Brandgeruch, der aus einem Serverraum zu kommen scheint. Mit einem Generalschlüssel wird die Tür geöffnet, und tatsächlich lodern dahinter Flammen. Zwar kann das Feuer mit einem Handfeuerlöscher abgelöscht werden. Doch zumindest in dem winzigen, fensterlosen Raum hat es deutliche Spuren hinterlassen.

Zwei Server, ein Monitor, eine USV-Anlage für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und diverse andere elektrotechnische Komponenten wurden zerstört. Hinzu kommen Brandschäden am Raum selbst, in dem wegen der starken Hitzeeinwirkung die Wände zum Teil freigebrannt sind.

Das Bohrloch im Balken wird näher in Augenschein genommen.
Das Bohrloch im Balken wird näher in Augenschein genommen.

Ein kleiner Raum, vollgestopft mit elektronischen und elektrotechnischen Geräten und deren Leitungen – und das alles unter Spannung. Da denkt man zunächst an einen Kurzschluss, der in der Brandursachenstatistik des IFS so häufig als Brandursache auftaucht. Doch die gesamte Technik war ausschließlich von außen brandgezehrt.

Als Brandursache sollte sich etwas herausstellen, das schon in der Steinzeit funktioniert hat – damals allerdings gewollt. Etwa zwei Stunden vor der Brandentdeckung hatte ein Handwerker im Serverraum gearbeitet. Für die Verlegung einer neuen Wasserleitung hatte er einen Bodenbalken durchbohrt, durch den die Rohrleitung später geführt werden sollte.

Am aufgetrennten Balken sind intensive Brandzehrungen durch das ganze Bohrloch zu sehen.
Am aufgetrennten Balken sind intensive Brandzehrungen durch das ganze Bohrloch zu sehen.

An dem Balken zeichnete sich ein auffälliger Brandschwerpunkt ab, den der IFS-Gutachter näher in Augenschein nahm. Er ließ den betroffenen Abschnitt heraussägen und im Bereich des Bohrlochs auftrennen.

Eine Dreiviertelstunde hatte der Handwerker nach eigenen Aussage benötigt, um den 25 Zentimeter starken Balken komplett zu durchbohren. Dabei war offensichtlich ein Glimmbrand entstanden, denn durch das gesamte Bohrloch waren nun intensive Brandzehrungen zu sehen. Der Glimmbrand hatte sich dann allmählich zum Flammenbrand entwickelt.

Was in der Steinzeit wirklich harte Arbeit war, dürfte dem Handwerker mit seinem Akkubohrer deutlich leichter gefallen sein. Um das brenzlige Ergebnis, das unsere Vorfahren anstrebten, zu vermeiden, werden für das Bohren von tiefen Löchern in Holz spezielle Bohrer verwendet. Die sogenannten Schlangenbohrer haben eine größere Spirale für eine gute Spanabfuhr. Zudem muss beim Bohren von großen Löchern in Hartholz mit niedriger Drehzahl gearbeitet werden und der Bohrer muss regelmäßig zurückgezogen werden, um auch dadurch die Späne aus dem Bohrloch zu befördern.

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