Fachbetrieb installiert nicht zugelassenes Bauteil

Der Riss im Innengewinde mit eingeklemmten Hanffasern.
Der Riss im Innengewinde mit eingeklemmten Hanffasern.

In München renovierte ein Eigentümer gerade sein Reihenhaus, als es in dem Gebäude zu einem Schaden kam: Wasser lief aus einer gerissenen Hahnverlängerung der Badewannenarmatur im Obergeschoss und verursachte Durchfeuchtungen an den umliegenden Wänden und an der Decke des Erdgeschosses. Hahnverlängerung und Armatur waren erst eine Woche zuvor von einem Fachbetrieb installiert worden. Das IFS sollte durch eine Laboruntersuchung herausfinden, warum das Messing-Bauteil gerissen war.
Die freigelegte Bruchfläche zeigt zum Teil bräunliche Beläge. Bei dem
Die freigelegte Bruchfläche zeigt zum Teil bräunliche Beläge. Bei dem „frischen“ Bereich rechts handelt es sich um den Abriss im Zuge der Untersuchung.

Die Bruchflächen waren zum Teil mit bräunlichen Belägen behaftet, zum Teil hatten sie die typische gelbe Messingfarbe. Diese unterschiedlichen Bereiche verrieten, dass der Riss nicht durch einen einmaligen Abriss entstanden war. Es gab zunächst einen Anriss, der sich dann jedoch schnell ausgeweitet hatte.

Bei der Untersuchung mit dem Rasterelektronenmikroskop zeigten die Strukturen der gereinigten Bruchflächen das typische Bild von Spannungsrisskorrosion. Der Gutachter prüfte daraufhin die Materialhärte und stellte fest, dass ihr Wert leicht über dem lag, der von der Gütegemeinschaft Messing-Sanitär als unkritisch für Spannungsrisskorrosion angesehen wird.

Messing ist anfällig für Spannungsrisskorrosion. Es ist dennoch für Trinkwasserinstallationen zugelassen, weil neben dieser grundsätzlichen Anfälligkeit zwei weitere Bedingungen erfüllt sein müssen, damit es zur Spannungsrisskorrosion kommt: Das Material muss mit einem Korrosionsmedium – zum Beispiel mit Nitriten oder Sulfaten – in Kontakt kommen, und es müssen Zugspannungen im Werkstoff vorhanden sein.

Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt die typischen Strukturen bei Spannungsrisskorrosion.
Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt die typischen Strukturen bei Spannungsrisskorrosion.

Der Gutachter fand auf den ungereinigten Bruchflächen Schwefelverbindungen in Form von Sulfiden. Sie mussten aus dem Trinkwasser stammen.

Ein indirektes Maß für Zugspannungen ist die Werkstoffhärte. Wird das Material bei der Herstellung nicht ausreichend entspannt, so zeigt die relativ hohe Werkstoffhärte an, dass Zugspannungen vorhanden sind. Trägt ein Bauteil das DVGW-Prüfzeichen, so entspricht es den anerkannten Regeln der Technik. Die Hahnverlängerung hatte jedoch kein Prüfzeichen und hätte von einem Fachbetrieb nicht installiert werden dürfen.

Dass es bereits eine Woche nach der Montage zum Bruch kam, sprach außerdem dafür, dass nicht allein die Materialqualität zum Schaden geführt hatte. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war bereits bei der Installation durch zu hohe Krafteinwirkung ein Anriss entstanden.

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