Fachbetrieb ignoriert gefährlichen Zustand

Die Fritteuse: Im Vordergrund ist das rechte Frittierbecken zu sehen, in dem sich Fett entzündet hat.
Die Fritteuse: Im Vordergrund ist das rechte Frittierbecken zu sehen, in dem sich Fett entzündet hat.

Wurde ein technisches Gerät gerade von einem Fachmann überprüft, dann fühlt man sich bei der Bedienung einigermaßen sicher. Leider ist das nicht immer gerechtfertigt, wie dieser Fall zeigt.

Während in der Fritteuse einer Vereinsküche Schnitzel brutzelten, ging der Koch kurz in den Schankraum. Als er wieder in die Küche kam, brannte das Fett im rechten der beiden Frittierbecken. Löschversuche des Personals scheiterten, doch die Feuerwehr konnte die Flammen ablöschen, ehe sie sich über das Gerät hinaus ausbreiten konnten.

Ein Blick in die geöffnete Bedieneinheit des rechten Beckens. Das kleine Bild zeigt die gesamte Einheit inklusive Heizeinsatz.
Ein Blick in die geöffnete Bedieneinheit des rechten Beckens. Das kleine Bild zeigt die gesamte Einheit inklusive Heizeinsatz.

Zur Ermittlung der Brandursache untersuchte ein IFS-Gutachter die Fritteuse später im Elektrolabor. Sie war ein paar Wochen vor dem Schaden von einem Fachbetrieb für Großküchentechnik repariert und seither nur wenige Male benutzt worden, wie er erfahren hatte. Darum war der Zustand des Gerätes erstaunlich:

Da das Feuer im rechten Frittierbecken entstanden war, blicken wir auf dem rechten Bild in die Bedieneinheit dieses Beckens. Darin befinden sich der Regelthermostat, ein Sicherheitstemperaturbegrenzer, zwei Kontroll-Leuchten und die entsprechende Verdrahtung, die mit Flachsteckern an die einzelnen Bauteile angeschlossen ist.

An mehreren Kontaktstellen weisen Flachstecker und die daran angeschlossenen Adern Schäden auf. Die Isolierung wurde zum Teil durch Hitzeeinwirkung beschädigt – allerdings nicht durch das Feuer, sondern durch Übergangswiderstände, die sich wegen mangelhaft ausgeführter Klemmverbindungen bilden konnten.

Am Sicherheitstemperaturbegrenzer hat sich ein Anschlusskontakt gelöst.
Am Sicherheitstemperaturbegrenzer hat sich ein Anschlusskontakt gelöst.

Die Flachstecker haben unterschiedliche Bauformen und Materialien – ganz offensichtlich ist hier repariert worden. Am Sicherheitstemperaturbegrenzer (STB) sind die thermischen Schäden so groß, dass sich ein Anschlusskontakt gelöst hat. Die an den STB angeschlossenen Adern weisen thermische Schäden und einen Kurzschluss auf. Der STB ist damit überbrückt.

Aus diesem Grund konnte es zur Fettentzündung kommen. Der Regelthermostat der Fritteuse hatte versagt, was nicht ungewöhnlich ist und auch nicht unmittelbar zum Schaden führt. Das Fett wurde dadurch aber stärker erhitzt als gewollt. Für einen solchen Fall ist der STB vorgesehen, doch dieser war nicht funktionstüchtig.

Zum Zeitpunkt der Reparatur, einige Wochen zuvor, muss sich die Elektrik bereits in diesem oder einem ähnlich schlechten Zustand befunden haben. Die Fritteuse hätte so nicht an den Sportverein zurückgegeben und schon gar nicht in Betrieb genommen werden dürfen.

Die Verantwortung für den Schaden liegt also bei dem „Fachbetrieb“. Doch erwähnen wollen wir auch eine kleine Unstimmigkeit in der Schadendarstellung: Für nicht einmal eine Minute habe er vor der Brandentdeckung die Küche verlassen, hatte der Koch zu Protokoll gegeben. Bevor Frittierfett sich entzündet, gibt es jedoch eine deutliche Rauchentwicklung. Ein paar Minuten muss der Mann schon fort gewesen sein, wenn er von der Entstehung des Feuers nichts mitbekommen hat.

Ein Fettbrand ist keine Kleinigkeit, und oft kommen die Betroffenen nicht so glimpflich davon wie hier. Ganz gleich, ob Fritteuse oder Bratpfanne – heißes Fett darf man nicht unbeaufsichtigt lassen. Sehen Sie dazu unseren Video-Beitrag.

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