Ein vergessener Gartenschlauch kann zum Problem werden

Der Außenwasserhahn: Das rechte Ende mit dem Auslauf hat sich an der Außenwand befunden, das linke innerhalb der Wand. Links war ein Gewindeadapter eingeschraubt, dessen Gewinde beschädigt wurde.
Der Außenwasserhahn: Das rechte Ende mit dem Auslauf hat sich an der Außenwand befunden, das linke innerhalb der Wand. Links war ein Gewindeadapter eingeschraubt, dessen Gewinde beschädigt wurde.

Der erste Winter im nagelneuen Einfamilienhaus ist noch nicht zu Ende, und schon gibt es einen Wasserschaden: eine Leckage an einem frostsicheren Außenwasserhahn. Im IFS-Labor soll die Ursache dafür gefunden werden. Vor allem interessiert den Auftraggeber, ob ein Montagefehler das Problem verursacht hat.

Zur Untersuchung erhielt die zuständige Gutachterin den Außenwasserhahn samt des Gewindeadapters, der als Bestandteil der Armatur ursprünglich im Ventilrohr eingeschraubt war. Weil in einer 40 cm dicken Wand ein nur etwa 30 cm langer Wasserhahn verbaut werden sollte, wurde an den Adapter eine Rohrverlängerung geschraubt. Letztere erhielt das IFS nicht.

Die Leckage hatte sich im Bereich des Adapters befunden – und damit in der Wand. Abscherungen an dessen Gewinde zeigten, dass er aus dem Ventilrohr des Wasserhahns gedrückt worden war. Dafür ist ein starker Innendruck notwendig, der sich ausschließlich durch Frosteinwirkung erklären lässt.

Eine Vermessung des Außendurchmessers zeigt eine deutliche Aufweitung an einem Ende des Wasserhahns (Längenangaben in mm).
Eine Vermessung des Außendurchmessers zeigt eine deutliche Aufweitung an einem Ende des Wasserhahns (Längenangaben in mm).

Dafür sprach auch die Aufweitung des Wasserhahn-Ventilrohres. Messungen ergaben, dass der Außendurchmesser zum Ende des Ventilrohres, in dem der Gewindeadapter verschraubt war, größer wurde.

Doch wie konnte es an dem frostsicheren Außenwasserhahn zu einem Frostschaden kommen? Es gab zwei Möglichkeiten: Ein Installationsfehler hätte die Ursache sein können, und tatsächlich war die Installation nicht einwandfrei. Schon die Wahl des kurzen Außenwasserhahns plus Rohrverlängerung war nicht die eleganteste Lösung, aber kein schadenursächlicher Mangel.

Strittig war ein anderer Punkt: Der Hersteller des Wasserhahns empfahl die Installation mit einem leichten Gefälle nach außen. Dadurch wird das automatische Entleeren erleichtert, das dem Wasserhahn das Attribut „frostsicher“ beschert.

Die Grafik verdeutlicht den Effekt des Gefälles: Bei 2,1° ist die Rohrinnenseite nicht umlaufend mit Wasser benetzt. Das geschieht ab 3,8°.
Die Grafik verdeutlicht den Effekt des Gefälles: Bei 2,1° ist die Rohrinnenseite nicht umlaufend mit Wasser benetzt. Das geschieht ab 3,8°.

Ein Gefälle gab es auch – allerdings nach innen und nicht nach außen. Das hätte die Schadenursache sein können. Doch das Rohr fiel lediglich um 2,1° ab. Berechnungen im IFS ergaben, dass erst ab einem Gefälle von 3,8° die Rohrinnenseite vollständig mit Wasser benetzt sein und sich ein Eispfropf bilden würde. Die Grafik links veranschaulicht diesen Sachverhalt. Erst bei diesem Zustand ist die vorliegende Schädigung des Wasserhahns durch Frosteinwirkung möglich.

Nun hatte sich aber dennoch ein Eispfropf gebildet. Zu erklären ist das durch den Anschluss eines Gartenschlauchs. Ein frostsicherer Außenwasserhahn ist nämlich nur frostsicher, wenn nichts angeschlossen ist, das die automatische Entleerung verhindert. Verschließt ein angeschlossener Gartenschlauch den Auslass, kommt es zum Frostschaden.

Trotz nicht ganz komplett gelungener Installation hatte also nicht der Handwerker, sondern der Hausbesitzer den Schaden zu verantworten. Gartenschlauch, Teichpumpe, Regentonne – eine Kleinigkeit ist schnell vergessen. Wie Sie Ihr Haus oder auch Ferienhaus ohne Frostschaden durch den Winter bringen, verrät unser Winter-Check.

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