Ein Haus voll von Schäden und ein falscher Verdacht

Das kleine Bild zeigt die getrennte Klemmringverbindung aus dem ersten Stock und das große die Ablaufspuren in der Wohnung darunter.
Das kleine Bild zeigt die getrennte Klemmringverbindung aus dem ersten Stock und das große die Ablaufspuren in der Wohnung darunter.

Das neue Jahr ist noch keine drei Wochen alt, als zunächst die Polizei, dann der Eigentümer und schließlich die Feuerwehr zu einem Mehrfamilienhaus eilen. Eine Nachbarin hat die Polizei benachrichtigt wegen eines Rauchmelderalarms aus dem leerstehenden Gebäude. Es brennt aber nicht.

Als der Eigentümer eintrifft, sieht er Wasser aus der geschlossenen Haustür laufen. Drinnen betätigt er den Notschalter der Heizung, sperrt Wasser und Gas ab. In einigen der sechs Wohnungen liegen Heizkörper scheinbar abgerissen vor den Wänden. Der Eigentümer stellt Anzeige wegen Vandalismus. Einbruchsspuren gibt es allerdings nicht.

In der Küche im ersten Stock wurden die Rippen des gusseisernen Heizkörpers auseinander gedrückt.
In der Küche im ersten Stock wurden die Rippen des gusseisernen Heizkörpers auseinander gedrückt.

Zehn Tage später untersucht eine IFS-Gutachterin das Haus: Es ist nicht beheizt und feucht, stellenweise ist bereits Schimmelbildung erkennbar. Die Feuerwehr hat immerhin das Wasser aus dem Gebäude gepumpt, aber von Trocknungsarbeiten ist bisher nichts zu sehen.

Dafür sind überall massive Schäden zu besichtigen: In einer Küche im ersten Obergeschoss hat sich eine Klemmringverbindung der Warmwasserleitung unter der Spüle gelöst – ein Frostschaden, wie sich bei der späteren Laboruntersuchung bestätigt. In der darunter liegenden Küche im Erdgeschoss sieht man die großflächigen Ablaufspuren des ausgetretenen Wassers.

Überall im Haus gibt es Schäden an der Heizungsanlage: Gusseiserne Rippenheizkörper wurden auseinandergedrückt, Heizkörper sind aufgeplatzt und die Heizungsleitungen zum Teil verformt. Mehrere Heizkörper liegen zudem vor den Wänden.

Die roten Pfeile markieren die Wandhalterungen und die blauen die Abstandshalter des Heizkörpers. Das kleine Bild zeigt die gewanderten Abdrücke eines Abstandhalters.
Die roten Pfeile markieren die Wandhalterungen und die blauen die Abstandshalter des Heizkörpers. Das kleine Bild zeigt die gewanderten Abdrücke eines Abstandhalters.

Das Bild links zeigt eine solche Stelle: Der Heizkörper war in zwei Befestigungen eingehängt gewesen, die wir hier mit roten Pfeilen markiert haben. Im unteren Bereich hat er lediglich Abstandshalter, die mit blauen Pfeilen markiert sind. Diese Abstandshalter hinterlassen Abdrücke an der Wand, und daran kann man sehen, dass der Heizkörper „gewandert“ ist.

Was für den Eigentümer aussah wie Vandalismus, ist tatsächlich ein Frostschaden. Die Heizkörper und Heizungsrohre waren eingefroren. Wegen der dadurch verursachten Längenänderungen wurde der eingehängte Heizkörper aus der Halterung gedrückt.

Die Schäden in dem seit gut zwei Monaten leerstehenden Haus waren zweifellos durch Frost entstanden. Es hatte im Vorfeld des Schadens eine strenge Frostperiode gegeben, und den Verbrauchswerten des Gaszählers nach war das Gebäude nicht annähernd ausreichend beheizt worden.

Warum aber hatte am Tag der Schadenentdeckung der Rauchmelder Alarm gegeben? In der Küche im ersten Stock hatte sich, wie oben beschrieben, die Klemmringverbindung der Warmwasserleitung gelöst. Beim Ortstermin konnte die Gutachterin noch sehen, dass der Durchlauferhitzer der Wohnung auf volle Leistung gestellt war. Darum war bis zum Absperren der Wasserversorgung ständig heißes Wasser nachgelaufen, und der Dampf hatte den Rauchmelder ausgelöst.

Das Gebäude ausreichend zu beheizen, hätte diesen Schaden verhindert. Bei einem unbewohnten Mehrfamilienhaus mitten im Winter ist das selbstverständlich eine üppige Investition. Da der Eigentümer absehen konnte, dass die Wohnungen längere Zeit leerstehen würden, hätte er die wasserführenden Anlagen entleeren sollen. Doch selbst, wenn er die Anlagen einfach nur abgesperrt hätte, wäre das Schadenausmaß immerhin wesentlich geringer ausgefallen.

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