Brandausbruch vor dem Fenster

Blick vom Spitzboden des Anbaus auf das Garagendach
Blick vom Spitzboden des Anbaus auf das Garagendach

Nach dem Feuer im Anbau eines Wohnhauses ging man zunächst von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Doch die Untersuchung durch das IFS führte zu einem komplett anderen Ergebnis.

Ein Nachbar hatte Flammen auf dem Dach der Garage entdeckt, die sich zwischen seinem Haus und dem brandbetroffenen Objekt befand. Er klingelte, um die Bewohner zu informieren. Bevor sie das Haus verließ, ging die Eigentümerin noch auf das Garagendach, das vom ersten Stock aus zugänglich war, und schüttete einen Eimer Wasser auf den Brandherd. Vergeblich – erst die Feuerwehr konnte die Flammen löschen.

Blick über das Garagendach zwischen dem betroffenen Haus (1) und dem Nachbarhaus (2). Das Feuer ist vor der Wand zum Spitzboden des Anbaus entstanden, die in der Bildmitte zu sehen ist.
Blick über das Garagendach zwischen dem betroffenen Haus (1) und dem Nachbarhaus (2). Das Feuer ist vor der Wand zum Spitzboden des Anbaus entstanden, die in der Bildmitte zu sehen ist.

Das Garagendach wurde von der Familie als Dachterrasse genutzt. Eine kleine Mauer mit einem Fenster darin begrenzte des Dach im hinteren Bereich. Sie gehörte zum Spitzboden des Anbaus, der hinten an das Wohnhaus anschloss.

Auf dem ersten Foto ist der Blick aus dem Spitzboden auf das Dach zu sehen. Im Spitzboden verliefen elektrotechnische Leitungen, und ein Strohballen war dort gelagert. Letzterer stellte eine starke Brandlast dar, und entsprechend ausgeprägt waren die Brandschäden im Spitzboden. Darum nahm man zunächst an, ein Kurzschluss an den Leitungen habe des Feuer initiiert.

Anhand des Spurenbildes konnte der IFS-Gutachter allerdings nachweisen, dass der Brand nicht im Spitzboden, sondern davor, auf dem Dach entstanden war, und sich dann durch das Fenster nach innen ausgebreitet hatte. Auf dem Dach hatten vor dem Fenster allerlei Gegenstände gestanden, unter anderem mit Blumenerde gefüllte Blumenkübel aus Kunststoff, die im Brandverlauf schmolzen.

Als das IFS die Brandstelle untersucht, ist sie bereits geräumt. Diese Aufnahme, die dem Gutachter zur Verfügung gestellt wurde, zeigt die Situation direkt nach den Löscharbeiten.
Als das IFS die Brandstelle untersucht, ist sie bereits geräumt. Diese Aufnahme, die dem Gutachter zur Verfügung gestellt wurde, zeigt die Situation direkt nach den Löscharbeiten.

Eine elektrotechnische Zündquelle gab es in diesem Bereich allerdings nicht. Der Gutachter fand Zigarettenkippen in der Nähe des Brandbereichs. Die Familienmitglieder aus dem betroffenen Haus waren allesamt Nichtraucher, und weil ein Asthmatiker darunter war, durfte im Haus auch nicht geraucht werden.

Zum Schadenzeitpunkt war tatsächlich ein Raucher zu Gast gewesen. Er muss noch glühende Asche oder eine Zigarettenkippe auf dem Dach entsorgt und dabei versehentlich das Feuer initiiert haben. In solchen Fällen entsteht häufig zunächst ein Glimmbrand, der nicht unbedingt gleich bemerkt wird. Stunden können vergehen, bis sich daraus ein Flammenbrand entwickelt.

Die hohe Temperatur von Zigarettenglut und die damit einhergehende Brandgefahr wird von vielen unterschätzt.

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