Auch etwas Besonnenheit ist notwendig

Das abgebrochene Außengewinde des Ventils steckt noch in der Hahnverlängerung, mit der es verschraubt war (Pfeil).
Das abgebrochene Außengewinde des Ventils steckt noch in der Hahnverlängerung, mit der es verschraubt war (Pfeil).

Am Wochenende bricht in einer Zahnarztpraxis ein Gewindeanschluss an der Kaltwasserzuleitung einer Schleifmaschine. Es kommt zum Wasserschaden. Das betroffene Ventil ist erst wenige Monate zuvor installiert worden. Es wird samt einigen angeschlossenen Komponenten zur Ermittlung der Schadenursache ins IFS geschickt.

Auf dem Bild links ist das Ventil aus verchromtem Messing zu sehen, dessen Außengewinde im letzten Gewindegang abgebrochen ist. Das abgebrochene Stück befindet sich noch in der Hahnverlängerung, mit der es bei der Installation verschraubt wurde. Auffällig sind starke Kratzspuren am Ventilgehäuse, an der Hahnverlängerung und auch an der Wandrosette, die sogar eingerissen und verformt ist. Diese unsanfte Behandlung widerfuhr den Komponenten zum Teil sicher bei ihrem Ausbau.

Blick auf die Bruchfläche
Blick auf die Bruchfläche

Allerdings muss der Fachmann, der das Ventil laut Unterlagen in der Zahnarztpraxis installiert hatte, dabei ebenfalls recht beherzt zugegriffen haben. Auf dem Bild rechts schauen wir auf die Bruchfläche des Gewindes. Außen ist ein Teil der Hahnverlängerung zu sehen. Die IFS-Gutachterin musste diese auftrennen, um das Gewindestück daraus lösen zu können.

Zwischen Ventilgewinde und Hahnverlängerung sind Fasern erkennbar. Der Monteur hatte das Gewinde zur Abdichtung eingehanft und es mit viel Kraftaufwand in die Hahnverlängerung eingeschraubt.

Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt die typischen Strukturen von Spannungsrisskorrosion.
Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt die typischen Strukturen von Spannungsrisskorrosion.

Dabei waren im Messing des Gewindes Zugspannungen entstanden und in der Folge Spannungsrisskorrosion, die nach einigen Monaten unter Betriebsbelastungen zum Abbruch führten.

Messing ist anfällig für Spannungsrisskorrosion. Es wird dennoch in Trinkwasserinstallationen eingesetzt, weil diese nur auftritt, wenn erhöhte Zugspannungen im Werkstoff vorhanden sind. Sie können zum einen durch eine mangelhafte Qualität der Legierung oder des gefertigten Werkstücks bedingt sein. Oder – wie in diesem Fall – sie werden von außen eingebracht, zum Beispiel durch zu viel Kraftaufwand bei der Montage.

Die Vorteile von Messinglegierungen wiegen derzeit ihre Schwächen auf. Einem ausgebildeten Installateur sollte bekannt sein, dass er letztere berücksichtigen und bei der Montage von Messingbauteilen mit der nötigen Besonnenheit vorgehen muss.

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