Akku einer Rollstuhl-Schiebehilfe explodiert

Die Überreste des Akkus mit den einzelnen 26 Zellen (Pfeile), die Platine der Laderegelung (1) und das Akkugehäuse (2) sowie das Ladegerät (3) werden im Labor untersucht.
Die Überreste des Akkus mit den einzelnen 26 Zellen (Pfeile), die Platine der Laderegelung (1) und das Akkugehäuse (2) sowie das Ladegerät (3) werden im Labor untersucht.

Als sie nachts zufällig aufwachte und ins Badezimmer ging, bemerkte eine Frau ungewöhnliche Geräusche aus der Küche ihrer Wohnung. Dort hatte ihr Mann am Abend den Akku für die Schiebehilfe seines Rollstuhls zum Laden ins das Ladegerät gesteckt und dieses angeschlossen. Der Akku war heiß, und aus dem Inneren kam ein Knacken, wie sie in der Küche feststellte. Sie trennte das Ladegerät vom Netz. Wenige Sekunden später explodierte der Akku.

Inzwischen ebenfalls wach, holte ihr Mann einen Feuerlöscher aus dem Hausflur. Doch in der Aufregung konnte er den Löscher nicht bedienen. Ein Nachbar, der durch die Explosion geweckt wurde, kam zur Hilfe und löschte den Brand, bevor die Feuerwehr eintraf.

Nahaufnahme einer aufgeplatzten Aukkuzelle
Nahaufnahme einer aufgeplatzten Aukkuzelle

Die Reste des betroffenen Lithium-Ionen-Akkus und des Ladegerätes wurden ins IFS geschickt und dort im Elektrolabor untersucht. Eine Brandentstehung im Ladegerät konnte der zuständige Gutachter ausschließen. Was er vorfand, war ein Schadenbild, das im IFS immer häufiger zu sehen ist: Die Akkuzellen waren überhitzt und aufgeplatzt.

Zum Schadenzeitpunkt war der Rollstuhl samt Schiebehilfe erst zehn Tage in Betrieb gewesen. Er stammte von einem deutschen Unternehmen für Medizin- und Rehabilitationstechnik, das die Schiebehilfe von einem asiatischen Hersteller bezogen hatte.

Die inneren Wicklungen einiger Zellen werden separat aufgefunden.
Die inneren Wicklungen einiger Zellen werden separat aufgefunden.

Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsstark, weil sie eine hohe Energiedichte haben. Damit geht allerdings auch ein Brandrisiko einher. Das IFS hat bereits viele Fälle untersucht, in denen es einen ähnlichen Schadenverlauf wie den oben beschriebenen gegeben hat. In einem Video zeigen wir eine solche Akku-Explosion und die folgende Brandentwicklung.

Im Beitrag wird auch erklärt, was man tun kann, um die Gefahr so weit wie möglich einzugrenzen. Brisant ist insbesondere die Ladephase. Hier treten die meisten Akkubrände auf. Darum sollten Lithium-Akkus auf keinen Fall nachts in Wohnräumen geladen werden, während die Bewohner schlafen. Im eingangs geschilderten Fall war es einem glücklichen Zufall geschuldet, dass die Frau den entstehenden Schaden noch vor der Explosion entdeckt hatte.

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